Hero und ihre Reklame-Ganzsachen
Ulrich Fehlmann
«Mit Hero verbindet sich das Bild des Konfitürenglases auf dem Zmorgentisch, der Büchse Ravioli für das eilige Mittagessen, der Beutelrösti für den grossen Hunger.»
Dies steht im 2011 erschienenen Buch über die Lenzburger Firma Hero – seit 1886 in aller Munde, hier und jetzt. « Hero évoque l’image du pot de confiture sur la table du petit-
déjeuner, de la boîte de raviolis pour un déjeuner sur le pouce, du sachet de rösti pour les grandes faims. » C’est ce qu’on peut lire dans le livre publié en 2011 sur l’entreprise Hero de Lenzbourg, dont tout le monde parle depuis 1886, ici et maintenant.
Abb. 1: Erste Erbsendose der Firma Henckell & Zeiler.
1885 trafen sich zufällig der Konservenreisende Gustav Henckell und der Gärtner Gustav Adolf Zeiler, und sie beschlossen, im aargauischen Lenzburg eine Konservenfabrik zu gründen. Sie planten, Gemüse und Obst anzubauen, zu ernten, zu verarbeiten, abzupacken und zu vertreiben. Die ersten Produkte wurden aus Erbsen, Bohnen, Erdbeeren und von Obst- und Quittenbäumen gewonnen. Sie wendeten die Anfang des 19. Jahrhunderts erfundene Hitzesterilisation an und brauchten Autoklaven, um das Austrocknen zu verhindern. Das Sterilgut packten sie in anfänglich aus Braunschweig bezogene Büchsen ab. Eine der ersten Erbsendosen vom 17. Juni 1886 wird im Hero-Archiv aufbewahrt (Abb. 1). Die ersten Dosen waren kein Verkaufsschlager, auch wegen der kaum appetitsteigernden Farbe des Eingemachten. Die beliebten Erbsen wurden daher mit dem giftigen Kupfervitriol «gegrünt», was erst 1936 verboten wurde. Nach dem Tod von Zeiler 1889 übernahm Karl Roth, ein neuer Teilhaber, zusammen mit Henckell die Firma. Diese wurde grösser und betrieb eine ungewöhnlich grosse Reklametätigkeit. 1910 entstand aus den Anfangsbuchstaben der Inhaber der Firmenname Hero. Das bereits 1914 entwickelte Hero-Logo mit dem keck nach oben weisenden «r» im blauen Oval dürften den meisten SBZ-Leserinnen und -Lesern bekannt sein (Abb. 2). Obwohl Lenzburg ein kleines Städtchen mit wenig Industrie war, erwies sich der gewählte Standort als ideal. Lenzburg liegt zentral im Mittelland und hat günstige Eisenbahnverbindungen. Das aargauische Hinterland mit Freiamt und Seetal hat fruchtbaren Boden und ist wasserreich. Das Kulturleben Lenzburgs war erstaunlich gut. Besitzer des über der Stadt thronenden Schlosses war damals Wilhelm Wedekind, der Vater des Dichters Frank Wedekind, der übrigens 1886 dank dem Bruder von Gustav Henckell zu seiner Anstellung als Werbetexter bei der Firma Maggi kam. Nach Wilhelm Wedekinds Tod kaufte Edward Jessup das Schloss, er modernisierte und verkaufte es 1911 an den Grossindustriellen und Polarforscher James William Ellsworth. Hero war innovativ. Neben den Gemüse- und Fruchtkonserven kamen Fleischprodukte, Teigwaren und Fertigmahlzeiten dazu. Man investierte in grössere Anbauflächen, kaufte Fabriken im In- und Ausland und wurde ein international tätiger Konzern. 1995 kaufte eine deutsche Firmengruppe Hero; heute gehört die immer noch unter dem traditionellen Namen tätige Firma dem Deutschen Arend Oetker.
Abb. 2: Hero-Plakat von 1954.
Abb. 3: Privat-Ganzsachenumschlag PBU 42 der Firma Stucker & Zesiger Bern, mit Hero-Werbeaufdruck: «Wer dürstet, der trinke Hero Himbeersirup - ein herrliches Getränk», verwendet 1927.
Abb. 4: PPK 29 (Adress- und Bildseite) der Firma Hero, Altstätten 5.VII.15, Abb. 5: PPK 29 der Firma Union mit Hero-Motiv, Olten 14.IV.16.
Abb. 5
Abb. 6: PPK 36 des Hero-Vertreters Jakob Idtensohn, Rüthi, 23.II.28.
Werbung
Bereits in den ersten Jahren war «Reklame» wichtig für das Gedeihen von Hero. Man investierte mehr in Werbung als die Konkurrenz, durch gefällige Beschriftung der Büchsen, in Zeitungen, auf Plakaten (Abb. 2), später in Filmen und im Fernsehen. Die aggressive Verplakatierung und Hauswandwerbung durch Hero führten am Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem geharnischten Widerstand des Heimatschutzes. Man hatte gut ausgebildete Handelsreisende, die Zwischenhändler und Detailgeschäfte besuchten und sie mit Informationen über neue Produkte und mit attraktiver Schaufensterwerbung zu versorgen hatten. Erfolgreich wusste man die Qualitäten der Hero-Produkte anzupreisen: die kamen «in drei Stunden vom Feld in die Dose», sie waren «auserlesen» und «Confitüren Lenzburg aufs Butterbrot, färben den Kindern Wangen rot!» (siehe auch Abb. 3).
Abb. 7: Bildseite von zwei PPK 29 mit Reklamebildern für Hero-Konserve und -Konfitüre.
Abb. 8: Bildseite von zwei PPK 29 mit Reklamebildern für Hero-Konfitüre der UNION.
Abb. 9: PPK 36 mit Bild eines 5-kg-Konfitüren-kessels, gedruckt für einen Vertreter der Firma Hero in Genf, ungebraucht.
Abb. 10: PPK 26 mit Hero-Confitüren-Motiv, gedruckt für Herovertreter in Lenzburg.
Abb.11: PPK 036 mit Werbung für Hero Waffeln, gedruckt für einen Herovertreter in Zürich, ungebraucht.
Abb. 12: Private Postkarte mit Ganzsachenfreistempel, Type GFS-1B, gedruckt für einen Hero-Vertreter in Lenzburg, ungebraucht.
Abb. 13: Ansichtskarte «Der Segelschiffkoch studiert im Hero-Kochbuch».
Hero-Ganzsachen und -Ansichtskarten
Die vielen bekannten Ganzsachen stammen von Hero selbst (Abb. 4), aber auch von Firmen und Personen, die mit dem Vertrieb der Hero-Waren beschäftigt waren, von grossen Vertriebsfirmen, wie Union|Usego (Abb. 5), oder von den Firmenvertretern (Abb. 6). Die meisten der zwischen 1910 und 1930 gedruckten Privatpostkarten waren als Bestellformulare für Hero-Produkte gedacht. Die vorfrankierten Belege wurden vermutlich den Kunden geschenkt und von diesen auch für ganz andere Bestellungen oder Privatkorrespondenz gebraucht. Es gibt Vertreter-Besuchsanzeigen, die auf Ganzsachen gedruckt sind. Alle Hero-Privatganzsachen tragen das Logo der Firma, die meisten zeigen Früchte und Gemüse, die Hero verarbeitete, oder Büchsen und Gläser von Hero. Es sind gegen zehn private Postkarten mit farbiger Darstellung von verschiedenen Gemüse- oder Fruchtprodukten (Abb. 7) bekannt, ferner etwa zehn Karten mit ähnlichen Bildern, die den Zudruck der Einkaufsgenossenschaft Union tragen (Abb. 8). Seltener sind schwarze Zudrucke. Die Abb. 9 zeigt die Reklame-Postkarte für einen 5 kg schweren Konfitürenkessel, der an Grossbetriebe verkauft wurde, aber auch an Detailgeschäfte, die den Inhalt im offenen Verkauf anboten. Privatpostkarten mit einem anderen Wertstempel als Tellknabe 5 cts Type III und als Tellkopf 10 cts grün sind sehr selten. Wir können hier nur ein Beispiel abbilden (Abb. 10). Ebenfalls nicht häufig sind Karten mit anderen Motiven als der Darstellung von Früchten, Gemüsen oder den Hero-Gebinden (Abb. 11). Nach 1930 war es nicht mehr möglich, einen Briefmarken-Wertstempel auf private Ganzsachen aufdrucken zu lassen. Der Aufdruck erfolgte ab 1930 durch Ganzsachen-Freistempel (Abb. 12). Es wurden auch amtliche Postkarten mit Privatzudrucken versehen, die Motive der Firma Hero zeigen. Solche Postkarten stammen aus den Jahren 1905, 1910 und 1918. Sie können hier aus Platzgründen nicht abgebildet werden. Es ist eine grosse Anzahl von Ansichtskarten mit Hero-Motiven bekannt. Andreas Kuske beschreibt sie in einem Artikel aus dem «Sammler-Anzeiger» von 2011. Es gibt Ansichtskarten mit den gleichen Bildern wie in Abb. 7 (Früchte, Gemüse und Büchsen), aber auch Serien mit einer Reklameserie «Hero in allen Häfen», die vermutlich durch die Weltreise von Gustav Adolf Zeiler angeregt wurde, die der Sohn des Mitgründers ab 1910 unternahm (Abb. 13).