Die Olympischen Winterspiele in den Ausgaben der Gastländer.
Zur Zeit der ersten Olympischen Spiele in Athen im Jahr 1896 steckte der Wintersport noch in den Kinderschuhen. Für einige Disziplinen gab es bereits eine Organisation, wie z.B. für die internationale Überwachung des Eislaufens die Internationale Eislaufunion (ISU), die 1892 in den Niederlanden gegründet wurde.
Pierre de Coubertin versäumte es, Eiskunstlaufwettkämpfe in Athen abzuhalten, und erst zwölf Jahre später wurden in London die ersten olympischen Medaillen dieser Disziplin verliehen. Aufgrund des Widerstandes der nordischen Länder, die ihre bereits etablierten «Nordiska Spielen » schützen wollten, wurden 1912 an den Olympischen Spielen in Stockholm die Winterdisziplinen völlig ignoriert. Nach der erzwungenen Kriegspause wurde eine Zwischenlösung gewählt, sodass 1920 in Antwerpen Eiskunstlauf- und Eishockeywettbewerbe stattfanden. Der IOC Kongress von 1921 übertrug die Organisation der VII. Spiele an Frankreich und fügte eine «Winterwoche» in Chamonix hinzu. Diese Wettbewerbe, an denen 294 Athleten aus 17 Nationen teilnahmen, waren ein Erfolg. Das führte dazu, dass beim nächsten IOC-Kongress von 1925 in Prag beschlossen wurde, die Wettbewerbe in Chamonix im Nachhinein als die I. Olympischen Winterspiele zu anerkennen und die zweite Ausgabe der Spiele 1928 in St. Moritz zu organisieren.1
Austragungsorte Olympische Winterspiele

Lake Placid 1932
Garmisch Partenkirchen 1936
St. Moritz 1948
Riesige Auflage der ersten Briefmarken
Die III. Olympischen Winterspiele fanden in Lake Placid NY statt. Am Eröffnungstag gab die Post der USA die allererste Briefmarke heraus, die den Olympischen Winterspielen gewidmet war. Die Auflage betrug mehr als 52 Mio. Briefmarken!
Im Jahr 1936 waren die bayerischen Städte Garmisch und Partenkirchen Austragungsorte der IV. Olympischen Winterspiele, deren Anlagen eigens für dieses Ereignis errichtet wurden. Das Deutsche Olympische Komitee nutzte diesen Anlass als Testfeld und Schaufenster für die kommenden Sommerspiele in Berlin. Im November 1935, lange vor den Spielen, wurde ein Satz von drei Briefmarken herausgegeben, um im Land und weltweit dafür zu werben. Für jede Briefmarke wurde ein Zuschlag zugunsten des Organisationskomitees erhoben.
London, die Gastgeberstadt der Olympischen Sommerspiele 1948, zog sich, wie Amsterdam 20 Jahre zuvor, von der Ausrichtung der Winterspiele zurück. Die Wahl des IOC fiel dann, wie schon 1928, auf St. Moritz als Wintergastgeber. Die Schweizerische Post gab vier Briefmarken heraus: Zwei davon haben die olympischen Ringe als Hauptmotiv – eine Premiere für ein Gastgeberland. Österreich war das erste Nicht-Gastgeberland, das eine Sondermarke für die Olympischen Spiele herausgab, nachdem Uruguay 1924 und 1928 ihren Sieg beim olympischen Fußball turnier mit Briefmarken feierte und Portugal 1928 eine Briefmarke herausgab, die an zwei Tagen für die gesamte nationale Korrespondenz zwingend verwendet werden musste, um die Teilnahme der olympischen Delegation an den Spielen 1928 in Amsterdam zu finanzieren.
1952 fanden die Spiele in Norwegen statt, der Geburtsstätte des modernen Skisports. Alle Austragungsorte befanden sich im Raum Oslo, mit Ausnahme der alpinen Skiabfahrten und des Riesenslaloms, die in Norefjell, etwa 120 km von der Hauptstadt entfernt, stattfanden. Drei Briefmarken feierten die VI. Spiele, alle mit einem Zuschlag zugunsten des Organisationskomitees.
Erstmals in Cortina d’Ampezzo
Cortina d’Ampezzo war bereits als Gastgeberstadt für die Winterspiele 1944 ausgewählt worden, welche aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht stattfanden. Für die VII. Olympischen Winterspiele von 1956 wurden neue Einrichtungen gebaut, deren modernes Design nicht nur im Fernsehen (eine Premiere für die Winterspiele), sondern auch auf vier Briefmarken - von der italienischen Post zur Feier des Ereignisses herausgegeben - weltweit zu sehen war.
Squaw Valley, ein Skigebiet in Kalifornien, war Schauplatz der VIII. Spiele. Zum Zeitpunkt der Übergabe war der Standort weitgehend unbebaut, sodass von 1956 bis 1960 umfangreiche Arbeiten unternommen wurden, um die bestehenden Anlagen zu verbessern oder neue zu errichten. Zum ersten Mal in der olympischen Geschichte mussten Bob-Wettbewerbe aufgrund der geringen Zahl gemeldeter Teilnehmer abgesagt werden. Das philatelistische Fest beschränkte sich auf eine Briefmarke mit einer Auflage von 64 Mio.
Die Organisation der IX. Olympischen Winterspiele wurden an Innsbruck in den österreichischen Alpen vergeben. Es wurden neue Anlagen gebaut, darunter das wunderschöne Eisstadion. Innsbruck war 1964 von Schneemangel bedroht. Das österreichische Bundesheer eilte zur Rettung und grub 20’000 Eisblöcke aus den Berghängen, um sie auf die Rodel- und Bobbahnen zu transportieren. 40’000 m³ Schnee wurden für die alpinen Skipisten herangekarrt. Die Österreichische Post gab eine Serie von sieben Briefmarken heraus, die den beliebtesten Disziplinen gewidmet waren. Darunter war das Rennrodeln, das sein olympisches Debüt feierte, nachdem es lange Zeit verboten gewesen war, weil es als zu gefährlich galt.
Grenoble war die Gastgeberstadt der Winterspiele 1968. Die Veranstaltungen fanden zudem in Saint-Nizier-du-Moucherotte, Chamrousse, Villard-de-Lans, Autrans und Alpe d’Huez statt, sodass sowohl ein olympisches Dorf in Grenoble als auch eines in Autrans erforderlich war. Die Französische Post kündigte die Spiele mit einer Briefmarke an, gefolgt von einer Serie mit fünf Briefmarken, die die olympische Fackel und einige der Veranstaltungen kurz vor der Eröffnungsfeier präsentierten. Die Einnahmen aus dem Zuschlag wurden zwischen dem Roten Kreuz und dem Organisationskomitee der Spiele aufgeteilt.
Erste Spiele der 1970er-Jahre
Sapporo, die bis dahin grösste Stadt, in der die Winterspiele ausgetragen wurden, war für die Spiele 1940 vorgesehen gewesen. Diese wurden aufgrund des Zweiten Weltkriegs abgesagt. Neue grosse Anlagen wurden gebaut, und ein Jahr vor den Spielen gab es eine Versuchsveranstaltung. Die Spiele von 1972 wurden ein Jahr im Voraus mit zwei Werbemarken angekündigt, die mit einem Zuschlag zugunsten des Organisationskomitees versehen waren. Eine Serie mit drei Briefmarken wurde am Eröffnungstag herausgegeben.
Ursprünglich wurden die Winterspiele 1976 an Denver vergeben, doch die Bevölkerung des Bundesstaates Colorado stimmte dafür, die Verwendung öffentlicher Gelder zur Unterstützung der Veranstaltung zu verbieten. Das IOC folgte der Einladung aus Innsbruck, das die für die Winterspiele 1964 genutzten Einrichtungen ein zweites Mal nutzen konnte. Die Österreichische Post gab zwei Serien zu je vier Briefmarken heraus, die den beliebtesten Veranstaltungen der Spiele gewidmet waren. Beide wurden im Vorfeld der Spiele herausgegeben und wiesen einem Zuschlag zugunsten des Organisationskomitees auf.
es Organisationskomitees auf. Lake Placid war 1980 zum zweiten Mal Gastgeber der Olympischen Winterspiele. Erstmals wurden bei den Winterspielen Maschinen installiert, um Kunstschnee zu erzeugen und sicherzustellen, dass alle Wettkämpfe unter den bestmöglichen Bedingungen stattfinden konnten. Olympische Erinnerungsstücke wurden zu wertvollen Souvenirs: Werbeplakate, Maskottchen und Anstecknadeln waren ein grosser Erfolg. Die philatelistische Bilanz des Ereignisses ist sehr einfach: Es gab nur eine Serie von vier Briefmarken, welche die Sportereignisse darstellen und weniger als zwei Wochen vor den Spielen herausgegeben wurden.
Die heutige Hauptstadt der Republik Bosnien Herzegowina, Sarajevo, war der Austragungsort der XIV. Olympischen Winterspiele. Zu dieser Zeit gehörte die Stadt zur Bundesrepublik Jugoslawien. Die Spiele von 1984 liefen reibungslos ab. Die Jugoslawische Post gab drei Serien heraus, die der Stadt, den Einrichtungen und den Sportveranstaltungen gewidmet waren. Zur Finanzierung musste eine 2D-Marke zwingend zusätzlich zum effektiven Posttarif auf jeden Brief geklebt werden.
Die ersten von Kanada organisierten Winterspiele fanden 1988 in Calgary sowie in Canmore und Nikiska, beide westlich von Calgary, statt. Die Stadt startete ein grosses Bauprogramm zur Errichtung der notwendigen Einrichtungen. Eine Karte des olympischen Geländes ist auf der ersten der fünf Briefmarkenserien abgebildet, die die Kanadische Post herausgab. Die folgenden drei warben für die Spiele und die letzte war eine feierliche Ausgabe, die am Vorabend der Eröffnungsfeier veröffentlicht wurde. Alle diese Briefmarken zeigen Sportereignisse.
Letztmals im Jahr der Sommerspiele
Die Olympischen Spiele von 1992 in Albertville waren die dritten Winterspiele in Frankreich und die letzten, die im selben Jahr wie die Sommerspiele stattfanden. Die philatelistische Werbung begann 1990 und umfasste elf Ausgaben sowie einen Sonderblock, der am Eröffnungstag herausgegeben wurde. Die meisten Briefmarken wurden Sportwettbewerben gewidmet und tragen die Namen der Veranstaltungsorte, an denen sie stattfanden. In einer abschliessenden gemeinsamen Ausgabe mit Spanien wurden die «Olympischen Länder von 1992» gefeiert. Der Zuschlag für die Briefmarken und der Anteil am Verkauf anderer philatelistischer Produkte brachten dem Organisationskomitee mehr als CHF 15 Mio. ein.
1994 fanden die XVII. Olympischen Winterspiele in und um Lillehammer statt. Sie wurden von IOC-Präsident Samaranch wegen ihrer umweltfreundlichen Einstellung «Weiss-Grüne Spiele» getauft. Die Post, ein wichtiger Partner des OKs, organisierte den nationalen Fackellauf und gab fünf Werbeblöcke heraus, in denen 23 norwegische Goldmedaillengewinner der vergangenen Olympischen Winterspiele vorgestellt wurden. Zusätzliche Serien wurden kurz vor den Spielen und am Eröffnungstag herausgegeben.
Die Olympischen Winterspiele 1998 wurden in Nagano gefeiert, der Hauptstadt der Präfektur Nagano, die für ihre Bergressorts und heissen Quellen bekannt ist. Das japanische Ministerium für Post und Telekommunikation unterstützte die Spiele auf vielfältige Weise, unter anderem durch die Ausgabe von Briefmarken. Der erste Satz, der genau ein Jahr vor den Spielen herausgegeben wurde, zeigte das Schneeblumen-Emblem der Spiele sowie das Snowlets-Maskottchen. Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf trug zur Finanzierung der Spiele bei. Ein Kleinbogen zeigte die Sportereignisse mit dem Emblem der Spiele, den Maskottchen sowie fünf Blumen der Region. Er wurde zwei Tage vor der Eröffnungsfeier veröffentlicht.
2002 fanden die Olympischen Winterspiele in und um Salt Lake City, der Hauptstadt und bevölkerungsreichsten Stadt des US-Bundesstaates Utah, an zehn Orten statt. Nicht-kompetitive Veranstaltungen, wie z.B. die Eröffnungsfeier, wurden an sechs weiteren Orten durchgeführt. Ausserdem wurden drei Veranstaltungsorte für Trainingszwecke eingerichtet. Der U.S. Postal Service gab nur eine Serie von vier Briefmarken heraus, welche die Sportereignisse darstellt.
raus, welche die Sportereignisse darstellt. 2006 kehrten die Winterspiele nach Italien zurück. 15 Wettkampfstätten waren auf Turin und sechs Berggemeinden in der Umgebung (alle im Piemont) verteilt. Für diese Spiele wurden Sportanlagen, Sportdörfer, Medien sowie Verkehrsinfrastrukturen renoviert oder gebaut. Vier Serien der italienischen Post befassten sich hauptsächlich mit den Disziplinen und Denkmälern der Region.
2010 richtete Vancouver die XXI. Olympischen Winterspiele aus. Neben Vancouver waren ein Vorort von Richmond, Whistler Mountain Resort und Cypress Mountain Schauplätze der Spiele. Die Kanadische Post gab eine Reihe von Serien heraus, in denen die meisten die gleichen Briefmarken in zwei verschiedenen Verteilungsformaten präsentierten, in der Regel in Heften und Kleinblöcken oder in Rollen. Sie zeigen das Wappen, die Maskottchen, die Veranstaltungen, die Orte sowie den olympischen Geist und die Kultur des Gastgeberlandes.
Im Uhrzeigersinn: Korea 2018 Turin 2006 Beijing 2022 Vancouver 2010
QR-Code auf einer Briefmarke
Sotschi 2014
Sotschi, eine 400’000-Einwohner-Stadt in Krasnodar, der drittgrössten Region Russlands, wurde zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 gewählt. Im Imeretinski-Tal an der Küste des Schwarzen Meeres wurde ein Olympiapark errichtet, während in der Berggruppe von Krasnaja Poljana (wörtlich Rote Lichtung) alle Ski und Gleitsportarten stattfanden.
Die russische Postverwaltung entwickelte ein grosses Programm zur Ausgabe von Briefmarken, ähnlich dem erfolgreichen Programm für die Sommerspiele 1980 in Moskau: Die bedeutendste Neuerung war die Briefmarke mit dem QR-Code zur Internetadresse der Spiele-Website.
Die Winterspiele 2018 brachten den olympischen Geist zurück in die Republik Korea, nach der wunderbaren Erfahrung der Sommerspiele 1988 in Seoul. Sie fanden in Pyeong Chang statt. Die Koreanische Post veröffentlichte zunächst ein Kleinbogen, in dem die Wahl von Pyeong Chang angekündigt wurde, und anschliessend fünf Kleinbogen, die dem Emblem, dem Maskottchen, den Einrichtungen, dem Slogan, den Medaillen, der Fackel, den Zeremonien und den koreanischen 26 Medaillengewinnern gewidmet waren.
Schliesslich war Beijing die erste Stadt der Welt, die sowohl die Olympischen Sommer- als auch die Winterspiele ausrichtete. 2022 wurden 109 Wettkämpfe in sieben olympischen Wintersportarten in den drei Wettkampfzonen in Beijing, Yanqing und Zhangjiakou ausgetragen. Die erste Briefmarke wurde 2015 herausgegeben, zwei Jahre später folgte eine zweite mit dem Logo. Im Laufe des Jahres folgten weitere Ausgaben, in denen Logos, Sportarten und Veranstaltungsorte vorgestellt wurden, bis zur letzten Ausgabe am Eröffnungstag der Spiele.
Das italienische «Ministerium für Unternehmen und Made in Italy» hat angekündigt, im Januar zwei Briefmarken für die Winterspiele in Mailand und Cortina herauszugeben
1 Leider wurde zu diesem Anlass keine Briefmarke herausgegeben.
