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Poststempel der Stadt Schaffhausen

4. Teil: Stempelverwendungen unter der frühen eidgenössischen Post.

Der alte T&T-Rundstempel wurde Anfang Januar 1854 zurückgezogen. Schaffhausen erhielt «endlich» einen Ortsstempel der eidgenössischen Post. Es war jedoch ein ganz kleiner, unbedeutender Stempel, welcher der damaligen Bedeutung der Post von Schaffhausen nicht entsprach.

Wie auch immer, bis Ende August 1855 benutzte Schaffhausen einen kleinen Fingerhutstempel der Gruppe AW 1041 (Abb. 1). Der alte Verspätungsstempel der T&T-Post nahm auf den Briefen zu viel Platz weg. Ein neuer «Nachmittag» musste angeschafft werden. Dieser ist in der Gruppe AW 77 aufgeführt und bisher nachgewiesen ab 24. April 1851 bis Ende August 1855 (Abb. 2).
Das PD im Oval der T&T-Post wurde ca. 1853 bis 1855 abgelöst und durch ein markantes PD mit dickem Rahmen ersetzt (AW 13B —- Abb. 3). Im Laufe der Jahre wurden die Rahmenlinien mehr und mehr defekt, der Stempel scheint durch Abnützung der Aussenränder kleiner zu werden (Abb. 4). Die Buchstaben und das (innere) Rahmenmass sindjedoch in der gleichen Anordnung und Grösse. Weil in unserem Hobby oft von Francobriefen gesprochen wird, darf auch dieser Stempel nicht fehlen (Abb. 5). Im Unterschied zu den damals häufigen Portobriefen «mit fälliger Taxe beim Empfänger» hat man bei vorausbezahlter Taxe meist handschriftlich «frei», «franco», «fco» auf den Briefumschlag geschrieben. Nur wenige Briefe sind bekannt mit dem Stempel «Franco», der offensichtlich nicht am Normalschalter zum Einsatz kam. Er kommt vor auf Wertbrief und eingeschriebenem Brief. Bei eingeschriebenen, registrierten Briefen wurde auf der Briefvorderseite ein Charge&-Stempel (AW 19AS, Nr. 11 — Abb. 6) aufgebracht. Er ist kleiner als der bisherige aus der Postmeisterzeit. Oft wurde auch noch ein Rötelgitter oder sog. NB = Nota Bene auf dem Briefumschlag verewigt (Abb. 7). Erst vor Kurzem wurde ein R-Brief Beringen - Schaffhausen mit einem Charge AW 19Bı (sog. Kastenstempel) angeboten. Weil der Brief infolge Ableben des Adressaten zurückgeschickt wurde, kam für die Rücksendung ein zweites Charge (AW 19AS, Nr. 4 - Abb. 8) mit neuer Manualnummer auf den Brief. Weil die Rücksendung in einem rückwärtigen Büro bearbeitet wurde, kam nicht das normale «Schaltercharge» darauf, sondern dieser feine Stempel, welcher in ganz ähnlicher Form auch in Winterthur und allgemein im Postkreis VIIl (dort aber in Blau) im Einsatz war. Dieser feine Charg& von der Schaffhauser Post lag bisher erst zweimal vor.

Stempel AW 1041 (Schaffhausen) und AW 77 (Nachmittag).

Bei Chargé-Briefen wurde immer eine Registriernummer notiert. Beim <«Charge mit Einfassungsrahmen> (AW 19B1 - Abb. 9) wurde diese Nummer auf dem dafür vorgesehenen Platz (beim N) eingetragen. Der «Charge mit Einfassungsrahmen> war ca. 1865 bis ca. 1890 im Einsatz. Er wurde durch die vorgedruckten R-Klebzettel ersetzt. Auf wenigen Auslandbriefen wurde zusätzlich zum AW 19B1 ein «R» (Abb. 10) aufgebracht. Es steht für Recommandée», «Rekommandiert», <<
Bei ungenügender Frankierung musste ein Hinweis aufgebracht werden, dass die fehlende Taxe noch erhoben werden muss.
Dazu wird der AFFR.INSUF. verwendet (AW 16 - Abb. 11|12). Spätestens ab 1878 wurden Nachportomarken für die fehlende oder ungenügende Frankatur auf die Briefe aufgeklebt. Schaffhausen hatte mindestens zwei unterschiedliche Stempel im Einsatz.
Für den Briefverkehr zwischen Orten mit weniger als 37,5 km direkter Distanz über die Grenze galt eine reduzierte Taxe. Die Briefe in den grenznahen Bereich (ab 1868 Distanzbereich = 52,5 km, ab 1. Juli 1875 = 30 km) wurden mit dem Stempel RL = Rayon Limitroph markiert (AW 14A - Abb. 13).
Ab September 1855 kommt der erste Ortsstempel der Stempelserie AW 115, mit Datum und Tageszeit zum Einsatz (Abb. 14). Die Zahlen des Datumeinsatzes und der Tageszeit werden nach wie vor zusammengefügt, eingesteckt und befestigt. Bedingt durch das höhere Postaufkommen leidet oft die Stempelqualität, wirklich saubere Abschläge sind nicht häufig. Die Stempel müssen relativ oft ersetzt werden. Im Laufe der nächsten 13 Jahre sind immerhin elf unterschiedliche Stempel dieses Typs im Einsatz, zuerst mit kursiver, dann mit senkrechter Datumzeile. Der Ortsname SCHAFFHAUSEN und der Tag sind immer in Elzevirschrift, der Monat durchwegs in Blockschrift, die Jahreszahl wechselt zwischen Elzevir und Blockschrift (Grotesque). Die letzten Stempel dieser Serie wurden zum Teil gleichzeitig eingesetzt, sie lagen wahrscheinlich an zwei Postschaltern auf. Sie unterscheiden sich nur noch leicht in den Buchstaben ....FHAUS.... Die letzte Anwendung des AW 115 ist bisher vom Mai 1868 nachgewiesen.


Stempel AW 115 (Schaffhausen) und AW 13B (PD im Kästchen).

Stempel mit fehlender Jahreszahl sind keine neuen Stempel, sondern defekte oder verlorene Einsätze der bestehenden Stempel. Die ersetzte Jahreszahl 61 beim Typ 3 ist gar senkrecht und gross wie beim Typ 4, der Monat jedoch nach wie vor in kursiver Schrift, beim Typ 4 erst schmal, dann breit, dann schmal. Schief stehende oder auch kopfstehende Datumzeilen kommen vor. Bedenkt man, dass die Einsätze stündlich resp. täglich resp. monatlich gewechselt und neu montiert werden mussten, sind auch schief stehende und kopfstehende Datumzeilen verzeihbar.
pfstehende Datumzeilen verzeihbar. Rudolf Rehm schreibt, dass die Aufarbeitung der Schaffhauser Rundstempel einem Stempelkatalog vorbehalten bleibt. Die Unterschiede werden hier anhand einer Tabelle aufgezeigt. Der Typ 6 ist bisher erst mit drei unbefriedigenden Abschlägen aus dem Monat Juli 1863 belegt. Weitere Abstempelungen müssen noch gefunden werden. Wer kennt weitere Daten mit neuen, besseren Verwendungszeiten …?


Nur mit einem Beleg liegt mir ein Stempel der Gruppe AW 101 vor. Er ist auf einem Empfangsschein verewigt und ist im AW mit Ø 20 mm notiert, dort jedoch nicht abgebildet. In Abb. 15a und b entspricht der gedruckte «Stempelkreis» (dort, wo gestempelt werden soll) genau dem Ø 20 mm. Nur geht dieser Kreis durch die Buchstaben des Ortsnamens, kann also nicht der Stempelabdruck selber sein. Das korrekte Aussenmass des Stempels sowie der Schriftzug SCHAFFHAUSEN sind identisch mit dem Typ 4 des AW 115. Jener ist bisher auf Briefen bis 15. August 1862 belegt. Ohne weitere Vorlagen eines AW 101 mit Ø 20 mm gehe ich davon aus, dass die Autoren des Stempelwerkes mit dem AW 101 einem Phantom aufgesessen sind …

Neue Stempelgeneration
Ab Sommer 1866 kommt eine neue Generation von Rundstempeln mit Zwischensteg und feinen Schraffurlinien zur Anwendung. Es sind die ersten Teststempel aus dem Hause Güller, Hüttikon. Neu sind die Zahlen für das Datum auf dem Aussendurchmesser von Einzelrädchen eingraviert.
Täglich, ja stündlich wurde das Datum resp. die Zeit durch Drehen eines Rädchens eingestellt. Diese wurden für den Einsatz im Postdienst mit einem Querstift blockiert. Für die Stundenanzeige wurden zwei Rädchen geliefert, eines mit römischen Zeichen, eines mit arabischen Ziffern. Bis Mitte 1919 wurde der Vormittag mit den römischen Zeichen angezeigt, der Nachmittag und der Abend mit den arabischen Zahlen. (Ab 1918|1919 wurde die Zeitanzeige im 24-Stunden-Format eingeführt. Der Abschluss der Umrüstung der Stempel erfolgte im Verlauf des Jahres 1921.) Der Teststempel T66 der neuen Generation für die Stadt Schaffhausen (Abb. 16) ist im AW der Gruppe AW 147B zugeordnet und ist einer von ca. 70 Ortsstempeln der Firma Güller, welche die Post Generaldirektion vorerst testen wollte.
Eine Frühverwendung des T66 von Schaffhausen ist bekannt mit Datum 4.VII.1867, dann vom 8.VII.1867 auf einem Brief nach Wien. Ein Jahr später, am 21. Juli 1868, fällt das Kreuz aus der Aufnahme heraus (Abb. 17). Der Stempel wurde behelfsmässig repariert. Allerdings wurde das Kreuz um 180 Grad verdreht eingefügt, der Kreuzschatten war links oben anstelle rechts unten (Abb. 18). Zudem stand es nicht mehr senkrecht zum Stempelbild. Ist es Zufall, wurde der Fehler entdeckt, oder war eine weitere Reparatur fällig? Am 7. August 1868 ist der Kreuzschatten wieder so wie er sein soll. Nur ist das Kreuz diesmal sehr stark im Uhrzeigersinn verdreht. Spätestens am 12.VIII.68 fehlt das Kreuz erneut, es ist wohl verloren gegangen (Abb. 19). Trotzdem bleibt der Stempel anschliessend ohne Kreuz im Einsatz bis ca. 20. April 1869. Im «Buch der Güller-Stempel» ist die Spätverwendung «ohne Kreuz» mit 9.11.69 notiert. Zu diesem Zeitpunkt ist schon die nächste Version (Güller 302) im Einsatz. Es dürfte sich somit um einen Lesefehler der römischen II, also Februar, handeln. Hier erneut eine Bitte an die Leserschaft: Bitte melden Sie Früh- und Spätverwendungsdaten, vor allem aus der Anfangszeit und aus der Endzeit des fehlenden Kreuzes.
Die bis zu 70 Teststempel schienen der Generaldirektion der Eidgenössischen Post insgesamt gefallen zu haben. Stempel mit herausgefallenem Kreuz sind nebst Schaffhausen nurvon Frauenfeld, Altdorf (UR) und Genf bekannt. Güller wurde vertraglich für die Lieferung von Stempeln verpflichtet und erhielt Aufträge für mehrere Hundert Stempel mit den feinen Schraffurlinien, gefolgt von unzähligen, weiteren Stempeln bis in die heutige Zeit.
Ab ca. 25. April 1869 folgte in Schaffhausen der leicht geänderte Nachfolger des Teststempels 66 (Abb. 21). Bis mindestens Februar 1883 kamen insgesamt fünf Stempel AW 147B zum Einsatz. Die Version 2 wurde trotz vieler Liniendefekte an der Datumbrücke noch jahrelang benutzt, zuletzt jedoch vorwiegend auf Nachnahmen und Fahrpostbelegen.
Mit diesen Ausführungen schliesse ich die Artikelserie der Poststempel der Stadt Schaffhausen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit, aber auch für Ihre Mithilfe beim Auffinden von neuen Verwendungsdaten der verschiedenen Stempel.

Abb. 15b: Empfangsschein mit Stempel AW 115 nicht 101 wie im AW aufgeführt.

Abb. 17: Stempel AW 147B (T 66).